Auf jedem Fernglas steht eine Typbezeichnung wie 8x42 oder 10x50. Diese zwei Zahlen verraten schon viel über das Gerät. Wir erklären in diesem Ratgeber, was sie bedeuten, wie Sie daraus weitere Werte ausrechnen und welche Angaben auf Datenblättern zusätzlich wichtig sind. Alle Rechenwege sind so aufgebaut, dass Sie sie mit einem Taschenrechner nachvollziehen können.
Die zwei Zahlen: Vergrößerung mal Objektivdurchmesser
Die erste Zahl nennt die Vergrößerung. Die zweite Zahl nennt den Durchmesser der vorderen Linse, des Objektivs, in Millimetern. Ein 8x42 vergrößert also achtfach und hat ein Objektiv mit 42 mm Durchmesser. Das „x“ wird als „mal“ gelesen. Diese Lesart finden Sie übereinstimmend im Zeiss-Optikbuch, im Bresser-Ratgeber und in der Wikipedia.
Was die Vergrößerung bedeutet
Die Vergrößerung sagt, um welchen Faktor ein Objekt näher erscheint. Laut Zeiss-Optikbuch erscheint bei zehnfacher Vergrößerung ein 400 m entferntes Objekt so, als stünde es in 40 m Entfernung. Bresser beschreibt es ähnlich: Bei 8-facher Vergrößerung wirkt ein Objekt in 800 m Entfernung, „als wäre es 100 m entfernt“. Die Rechnung dahinter ist einfach: Entfernung geteilt durch Vergrößerung.
Für Ferngläser, die Sie aus der Hand halten, sind laut Zeiss 7-fache bis 10-fache Vergrößerungen üblich. Der NABU schreibt: „Zum Beobachten sind sieben- bis zehnfache Vergrößerungen ideal.“ Steiner nennt 8x bis 10x „freihändig nutzbar“.
Was der Objektivdurchmesser bedeutet
Das Objektiv sammelt das Licht. Der NABU fasst es so zusammen: „Je größer die Frontlinse, desto mehr Licht sammelt das Glas.“ Dafür bezahlen Sie mit Größe und Gewicht. Als Beispiel aus einem Herstellerdatenblatt (Zeiss Conquest HD, Flyer, Druck 01/2014) wiegt die 32-mm-Ausführung 630 g, die 42-mm-Ausführung 795 g und die 56-mm-Ausführung 1.265 g. Die Zahlen gelten für diese Baureihe und sind kein Maßstab für andere Modelle.
Ein Hinweis aus dem Zeiss-Optikbuch: Die Angabe sagt nicht alles. Bei einfachen Gläsern kann die wirksame Öffnung kleiner sein als der Linsendurchmesser, weil der Rand abgeschattet wird. Die aufgedruckte Zahl ist deshalb ein Anhaltspunkt, keine Messung.
So lesen Sie 8x42 und 10x50 Schritt für Schritt
Wir gehen zwei Beispiele durch.
Beispiel 8x42
- Erste Zahl: 8. Das Bild erscheint achtfach näher.
- Zweite Zahl: 42. Das Objektiv hat 42 mm Durchmesser.
- Austrittspupille: 42 ÷ 8 = 5,25 mm.
- Dämmerungszahl: √(8 × 42) = √336 ≈ 18,3.
Beispiel 10x50
- Erste Zahl: 10. Das Bild erscheint zehnfach näher.
- Zweite Zahl: 50. Das Objektiv hat 50 mm Durchmesser.
- Austrittspupille: 50 ÷ 10 = 5,0 mm.
- Dämmerungszahl: √(10 × 50) = √500 ≈ 22,4.
Die Austrittspupille ist der helle Kreis, der im Okular zu sehen ist, wenn Sie das Fernglas gegen eine helle Fläche halten. Die Dämmerungszahl ist eine reine Rechengröße. Beide haben eigene Ratgeber: Austrittspupille berechnen und Dämmerungszahl berechnen und deuten.
Beispiel 7x50
- Erste Zahl: 7. Das Bild erscheint siebenfach näher.
- Zweite Zahl: 50. Das Objektiv hat 50 mm Durchmesser.
- Austrittspupille: 50 ÷ 7 ≈ 7,1 mm.
- Dämmerungszahl: √(7 × 50) = √350 ≈ 18,7.
Das 7x50 zeigt, dass zwei Gläser mit ähnlicher Dämmerungszahl sehr verschieden sein können: Das 8x42 kommt auf 18,3, das 7x50 auf 18,7, doch ihre Austrittspupillen (5,25 mm gegen 7,1 mm) und ihr Gewicht unterscheiden sich deutlich.
Rechentabelle für gängige Typen
Die Formeln lauten:
- Austrittspupille (AP) = Objektivdurchmesser ÷ Vergrößerung
- Dämmerungszahl (DZ) = √(Vergrößerung × Objektivdurchmesser)
Tabelle: Austrittspupille und Dämmerungszahl gängiger Typen (gerechnet)
| Typ | Rechenweg AP | AP in mm | Rechenweg DZ | DZ |
|---|---|---|---|---|
| 8x25 | 25 ÷ 8 | 3,1 | √200 | 14,1 |
| 10x25 | 25 ÷ 10 | 2,5 | √250 | 15,8 |
| 8x32 | 32 ÷ 8 | 4,0 | √256 | 16,0 |
| 7x50 | 50 ÷ 7 | 7,1 | √350 | 18,7 |
| 8x42 | 42 ÷ 8 | 5,25 | √336 | 18,3 |
| 10x42 | 42 ÷ 10 | 4,2 | √420 | 20,5 |
| 10x50 | 50 ÷ 10 | 5,0 | √500 | 22,4 |
| 8x56 | 56 ÷ 8 | 7,0 | √448 | 21,2 |
Herstellerdatenblätter runden die Austrittspupille eines 8x42 häufig auf 5,3 mm. Wir rechnen mit dem exakten Wert 5,25 mm.
Warum mehr Vergrößerung nicht automatisch besser ist
Der Satz „je höher die Vergrößerung, desto besser“ stimmt nicht. Bresser nennt ihn in seinem Kennzahlen-Ratgeber ausdrücklich falsch, und auch die Wikipedia bezeichnet die Bevorzugung einer hohen Vergrößerungszahl als ohne entscheidende Bedeutung. Eine höhere Vergrößerung hat Nebenwirkungen:
- Mehr Bildunruhe. Jede kleine Handbewegung wird mitvergrößert. Die Wikipedia nennt als Faustregel, dass ein ruhiges Bild ohne Stativ am ehesten bis etwa 7-fach gelingt. Manche Menschen halten bis etwa 12-fach ruhig, andere schon bei 6- bis 7-fach nicht.
- Kleineres Sehfeld. Bei gleicher Bauart sinkt das Sehfeld mit steigender Vergrößerung (mehr dazu im nächsten Abschnitt).
- Geringere Schärfentiefe. Laut Zeiss muss man mit einem 10-fachen Glas präziser fokussieren als mit einem 7-fachen. Schon kleine Änderungen der Entfernung verlangen ein Nachstellen.
- Kleinere Austrittspupille bei gleichem Objektiv: Bei 42 mm sinkt sie von 5,25 mm (8-fach) auf 4,2 mm (10-fach).
Die Entscheidungsregel von Zeiss lautet sinngemäß: Im Zweifel ist die etwas niedrigere Vergrößerung auf Dauer die bessere Wahl. Ob 8-fach oder 10-fach, sollten Sie selbst ausprobieren. Wie das konkret aussehen kann, zeigt der Vergleich 8x42 oder 10x42.
Das Sehfeld: Breite auf 1.000 Meter
Das Sehfeld gibt an, wie breit das Gelände ist, das Sie auf 1.000 m Entfernung auf einen Blick sehen. Eine Angabe wie „120 m auf 1.000 m“ bedeutet: Auf 1.000 m Abstand überblicken Sie 120 m Breite. Manche Hersteller geben stattdessen den Sehwinkel in Grad an. Die Umrechnung lautet laut Zeiss und Bresser:
Sehfeld in Metern ≈ 17,5 × Sehwinkel in Grad
Rechenbeispiel: 120 m ÷ 17,5 ≈ 6,9 Grad. Umgekehrt entspricht ein Sehfeld von 101 m (Beispiel aus dem Bresser-Ratgeber) rund 5,77 Grad.
Wichtig ist, was das Sehfeld nicht bestimmt: den Objektivdurchmesser. Es ergibt sich aus Prisma und Okular. Das Zeiss-Optikbuch schreibt, dass „sehr oft“ ein 8x32 sogar ein größeres Sehfeld hat als ein 8x42. Zwei Datenblatt-Beispiele (Zeiss Conquest HD, Flyer 01/2014; Zeiss Terra ED, Gebrauchshinweis 10/2014): Das Conquest HD 8x32 nennt 140 m, das 8x42 nennt 128 m. Beim Terra ED stehen 135 m gegen 125 m. Beide Datenblätter sind älter und gelten als Beispiele, nicht als aktueller Modellstand.
Zum Vergleichen gilt: Stellen Sie nur Gläser gleicher Vergrößerung gegenüber. Ein sehr kleines Sehfeld wirkt laut Zeiss wie ein Tunnelblick; das kommt vor allem bei einfachen Produkten und vielen Zoom-Ferngläsern vor. Ab 60 Grad subjektivem Sehwinkel (nach ISO-Norm) spricht Zeiss von Weitwinkelgläsern.
Weitere Angaben auf Datenblättern
Neben den zwei Zahlen finden Sie auf Datenblättern weitere Werte. Hier die wichtigsten, kurz erklärt.
Naheinstellgrenze
Das ist der kleinste Abstand, auf den sich scharf stellen lässt. Beispiele aus Datenblättern: Zeiss Conquest HD 8x32 und 10x32 nennen 1,5 m, die 42er 2 m und die 56er 3,5 m (Flyer 01/2014). Das Nikon Prostaff P3 nennt 3,0 m, das Swarovski Optik CL Pocket 8x25 nennt 2,5 m. Für Blüten oder Insekten ist eine kurze Naheinstellgrenze wichtig, für die Beobachtung in der Ferne spielt sie kaum eine Rolle.
Augenabstand und Austrittspupillen-Abstand
Zwei Werte tragen fast gleiche Namen. Der Augenabstand (Pupillendistanz) meint den Abstand Ihrer Augen zueinander; der Einstellbereich liegt in Datenblättern zum Beispiel bei 54 bis 74 mm (Zeiss Conquest) oder 56 bis 72 mm (Nikon Prostaff P3). Der Austrittspupillen-Abstand (auch Augenpunkt) meint den Abstand hinter der letzten Okularlinse, in dem sich Ihr Auge befinden sollte. Er liegt laut Wikipedia bei 14 bis 20 mm, laut Swarovski Optik bei hochwertigen Gläsern zwischen 14 und 19 mm. Für Brillenträger ist er besonders wichtig.
Dioptrienbereich
Der Dioptrienausgleich gleicht Unterschiede zwischen Ihren beiden Augen aus. Zeiss nennt „idealerweise mind. +/- 4 dpt“ Verstellbereich; das Swarovski Optik CL Pocket 8x25 nennt ±5 dpt. Eine Hornhautverkrümmung lässt sich am Okular nicht ausgleichen.
Zoom-Angaben
Bei einem Zoom-Fernglas stehen zwei Vergrößerungen in der Bezeichnung, etwa 8-24x50. Die Vergrößerung lässt sich stufenlos verstellen. Das ist ein Kompromiss: Zoomgläser haben mehr Linsen, erreichen nach Wikipedia nie die optische Leistung guter Gläser mit fester Vergrößerung und zeigen bei hoher Stufe eine sehr kleine Austrittspupille. Beim Beispiel 8-24x50 ergibt die Formel auf der höchsten Stufe 50 ÷ 24 ≈ 2,1 mm.
Größenklassen im Überblick
Aus Zahlen und Gewicht ergeben sich grobe Klassen. Die Wikipedia nennt als Richtwerte: Kompakt- oder Taschenferngläser wiegen bis etwa 300 g, bei einer Bandbreite von 180 bis 300 g. Standardgläser von etwa 8x25 bis 10x44 liegen zwischen 300 und 900 g. Universalgläser bewegen sich zwischen etwa 400 und 1.200 g. Großferngläser mit sehr großen Objektiven gibt es praktisch nur als Porro-Bauart. Wer viel läuft, spürt jedes Gramm; wer meist am Standort beobachtet, kann größere Objektive wählen.
Als Beispiele für Kompaktgläser aus Datenblättern: Das Swarovski Optik CL Pocket 8x25 nennt 345 g, das Zeiss Terra ED Pocket 8x25 nennt 10,9 oz, das sind rund 309 g. Beide Werte stammen aus Herstellerangaben.
Merksätze zum Mitnehmen
- Erste Zahl = Vergrößerung, zweite Zahl = Objektivdurchmesser in Millimetern.
- Austrittspupille = Objektivdurchmesser ÷ Vergrößerung.
- Dämmerungszahl = √(Vergrößerung × Objektivdurchmesser); sie ist nur eine Rechengröße.
- Das Sehfeld hängt nicht vom Objektivdurchmesser ab, sondern von Prisma und Okular.
- Mehr Vergrößerung bringt mehr Bildunruhe, ein kleineres Sehfeld und weniger Schärfentiefe.
- Größere Objektive sammeln mehr Licht, wiegen aber mehr.
- Datenblattwerte gelten für das jeweilige Modell und den angegebenen Stand.
Unbekannte Fachwörter finden Sie im Fernglas-Glossar. Wenn Sie wissen möchten, welche Beispiele zur Klasse 8x42 gehören, hilft die Übersicht Ferngläser der Klasse 8x42.
Häufige Fragen
Was heißt 10x42?
Das Glas vergrößert zehnfach und hat ein Objektiv mit 42 mm Durchmesser. Die Austrittspupille beträgt 42 ÷ 10 = 4,2 mm, die Dämmerungszahl rund 20,5. Ein Objekt in 400 m Entfernung erscheint, als stünde es in 40 m Entfernung.
Ist mehr Vergrößerung besser?
Nein. Mehr Vergrößerung zeigt Details größer, bringt aber stärkere Bildunruhe, ein kleineres Sehfeld und eine geringere Schärfentiefe mit sich. Zeiss rät im Zweifel zur etwas niedrigeren Vergrößerung und empfiehlt, die Wahl selbst auszuprobieren.
Was bedeutet 8-24x50?
Es ist ein Zoom-Fernglas. Die Vergrößerung lässt sich zwischen 8-fach und 24-fach verstellen, das Objektiv hat 50 mm Durchmesser. Auf der höchsten Stufe sinkt die Austrittspupille auf rund 2,1 mm. Zoomgläser sind ein Kompromiss, etwa beim Sehfeld und beim Sehkomfort.
Quellen (alle am 20.10.2026 abgerufen)
- Carl Zeiss Sports Optics: „Optik für Jagd und Naturbeobachtung”, 2. Ausgabe 2017, https://www.zeiss.de/content/dam/pno/landing-pages/germany/waidgefaehrte/mitgliedsbereich/infotainment/waffenkunde-und-optik/downloads/zeiss-waidgefaehrte-downloads-optikbuch.pdf, abgerufen am 20.10.2026
- ZEISS Conquest HD Flyer (Technische Daten), Druck 01/2014, https://www.astroshop.es/Produktdownloads/2087-811_CONQUEST_HD_Flyer_210x280_Deutsch_web.pdf, abgerufen am 20.10.2026
- Bresser: „Der große Fernglas-Ratgeber: Alle Kennzahlen erklärt”, https://www.bresser.de/ratgeber/sport-optik/die-wichtigsten-kennzahlen-eines-fernglases/, abgerufen am 20.10.2026
- Swarovski Optik: „Das 1x1 der Beobachtungsoptik”, https://www.swarovskioptik.com/lu/de/jagd/optics101/das-1x1-der-beobachtungsoptik, abgerufen am 20.10.2026
- Swarovski Optik: CL Pocket 8x25, Produktseite, https://www.swarovskioptik.com/de/de/jagd/products/binoculars/clp/clpocket/cl-pocket-8x25-ii, abgerufen am 20.10.2026
- Steiner: „Steiner FAQs: Fernglas-Beratung, Reparatur, Garantie, Service”, https://www.steiner.de/footer/service/faq/, abgerufen am 20.10.2026
- NABU: „Tipps zum Fernglaskauf”, https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/natur-erleben/foto-film-optik/tipps/04869.html, abgerufen am 20.10.2026
- Wikipedia (de): „Fernglas”, https://de.wikipedia.org/wiki/Fernglas, abgerufen am 20.10.2026
Redaktionell recherchiert und verglichen, keine physischen Tests. Stand: 20.10.2026. Arbeitsweise und Werbung: Offenlegung.