Die Austrittspupille ist eine der wichtigsten Kennzahlen eines Fernglases, steht aber nie auf dem Gehäuse. Sie lässt sich in Sekunden berechnen. In diesem Ratgeber zeigen wir die Formel, rechnen drei Beispiele vor, erklären, wie Sie die Austrittspupille am eigenen Glas sehen, und ordnen ein, was sie über die Helligkeit aussagt und was nicht.
Die Formel
Die Austrittspupille (AP) ist das „Fenster“ oder die Lichtaustrittsöffnung am Okular, durch die das Licht in Ihr Auge fällt. Je größer sie ist, desto mehr Licht kann ins Auge gelangen. Die Formel lautet:
Austrittspupille in mm = Objektivdurchmesser in mm ÷ Vergrößerung
Sie brauchen dafür nur die beiden Zahlen der Typbezeichnung. Wie diese zu lesen sind, steht im Ratgeber Fernglas-Zahlen erklärt.
Drei Rechenbeispiele Schritt für Schritt
Beispiel 1: 8x42
- Typ 8x42: Vergrößerung 8, Objektivdurchmesser 42 mm.
- Rechnung: 42 ÷ 8 = 5,25.
- Ergebnis: Die Austrittspupille beträgt 5,25 mm.
Hinweis: Herstellerdatenblätter runden diesen Wert oft auf 5,3 mm. Wir zeigen den gerechneten Wert 5,25 mm.
Beispiel 2: 10x32
- Typ 10x32: Vergrößerung 10, Objektivdurchmesser 32 mm.
- Rechnung: 32 ÷ 10 = 3,2.
- Ergebnis: 3,2 mm. Diesen Wert nennt auch das Zeiss-Optikbuch für ein 10x32.
Beispiel 3: 8x56
- Typ 8x56: Vergrößerung 8, Objektivdurchmesser 56 mm.
- Rechnung: 56 ÷ 8 = 7.
- Ergebnis: 7,0 mm. Auch diesen Wert nennt das Zeiss-Optikbuch.
Rechner
Der folgende Rechner nimmt Ihnen die Arbeit ab. Für Nutzung ohne Skript steht darunter eine Tabelle mit den gängigen Typen.
Tabelle: Austrittspupille gängiger Typen (gerechnet)
| Typ | Rechenweg | Austrittspupille | Typischer Einsatz (Hinweis) |
|---|---|---|---|
| 8x25 | 25 ÷ 8 | 3,1 mm | Taschenformat für Tageslicht |
| 10x25 | 25 ÷ 10 | 2,5 mm | Taschenformat für Tageslicht, kleines Fenster |
| 8x32 | 32 ÷ 8 | 4,0 mm | leichter Allrounder |
| 10x32 | 32 ÷ 10 | 3,2 mm | leichter Allrounder mit stärkerer Vergrößerung |
| 8x42 | 42 ÷ 8 | 5,25 mm | Allrounder mit Reserve für die Dämmerung |
| 10x42 | 42 ÷ 10 | 4,2 mm | Allrounder, mehr Detail bei ruhiger Hand |
| 10x50 | 50 ÷ 10 | 5,0 mm | größeres Glas für wenig Licht |
| 8x56 | 56 ÷ 8 | 7,0 mm | großes Glas für Dämmerung, mehr Gewicht |
Die Spalte rechts ist ein Hinweis zur Einordnung, keine Empfehlung für einzelne Produkte. Quelle der Einordnung ist unter anderem das Zeiss-Optikbuch, das Gläser mit 42-mm-Objektiv als Allrounder mit Reserven für die Dämmerung beschreibt und kleinere Objektive für Touren bei Tageslicht nennt.
Die Austrittspupille am eigenen Fernglas sehen
Sie können die Austrittspupille selbst betrachten:
- Halten Sie das Fernglas mit ausgestrecktem Arm gegen eine helle Fläche, zum Beispiel einen hellen Himmel oder eine weiße Wand. Die Wikipedia nennt als Alternative einen Abstand von etwa 30 cm.
- Schauen Sie auf die Okulare. Sie sehen zwei helle Kreise.
- Beurteilen Sie die Kreise: Bei hochwertigen Gläsern sind sie laut Zeiss-Optikbuch „absolut kreisrund, mit einem scharfen Rand und gleichmäßig hell“.
Sind die Kreise nicht rund oder haben graue Ränder, ist das nach der Wikipedia meist ein Zeichen minderwertiger Qualität; die Prismen sind dann möglicherweise nicht ausreichend dimensioniert. Das ist ein Hinweis, kein Urteil über ein bestimmtes Modell.
Austrittspupille und Augenpupille
Die Rechnung liefert nur einen Teil der Antwort, denn auch Ihr Auge hat eine Pupille. Nur der Teil des Lichts, der durch Ihre Augenpupille ins Auge gelangt, trägt zur Helligkeit bei. Ist Ihre Augenpupille kleiner als die Austrittspupille des Fernglases, wird die theoretische Helligkeit nicht ausgenutzt.
Das Zeiss-Optikbuch gibt dazu ein Beispiel: Bei Tageslicht erscheint ein 8x56 nicht heller als ein 8x32. Bei Tageslicht ist die Augenpupille klein, deshalb kann das 8x56 seinen Vorteil nicht ausspielen. Wenn das Licht nachlässt, weitet sich die Augenpupille, und eine größere Austrittspupille kann mehr nutzen.
Wie weit sich die Augenpupille öffnen kann, ist altersabhängig: Sie wird mit dem Alter tendenziell kleiner. Genaue Millimeterwerte nennen wir nicht, weil sie von Mensch zu Mensch verschieden sind. Ein Beitrag im Zeiss-Jagdblog weist ebenfalls darauf hin, dass die maximale Weite der Augenpupille stark vom Alter abhängt.
Bewegungsspielraum
Eine Austrittspupille, die größer ist als Ihre Augenpupille, bringt trotzdem etwas: Spielraum. Wenn Sie das Glas nicht exakt vor den Augen halten oder es leicht wackelt, bleiben Sie laut Zeiss auch dann „im Bilde“. Das erleichtert das Beobachten zum Beispiel beim Gehen oder wenn ein Vogel schnell wechselt.
Zwei Sichtweisen zur Dämmerung
Wie groß soll die Austrittspupille bei wenig Licht sein? Die Quellen geben unterschiedliche Antworten, die wir nebeneinanderstellen:
- Laut Zeiss (Optikbuch, Hersteller mit Jagdschwerpunkt) ist die Austrittspupille für den Dämmerungseinsatz das entscheidende Kriterium. Dort nennt der Hersteller 4 mm das absolute Minimum. Alles darunter sei bei nachlassendem Licht untauglich, auch wenn die Dämmerungszahl noch so hoch ist.
- Laut Wikipedia braucht die Austrittspupille grundsätzlich nicht größer zu sein als die Augenpupille. Ein Standardglas mit etwa 5 mm sei als Nachtglas für die Dämmerung geeignet. Eine Austrittspupille von 7 mm eigne sich nur für das voll dunkel adaptierte Auge einer nicht zu alten Person.
- Der LBV nennt für die Vogelbeobachtung eine „Lichtstärke“ nicht unter 3,5; gemeint ist eine Austrittspupille von mindestens 3,5 mm. Dann sei die Beobachtung auch bei bedecktem Himmel möglich.
Die Aussagen unterscheiden sich, weil sie aus verschiedenen Blickwinkeln stammen. Wir geben die Spanne wieder und legen uns auf keine eigene Grenze fest. Mehr zur Dämmerung steht im Ratgeber Fernglas für die Dämmerung.
Die Formel umkehren
Sie können die Formel auch in die andere Richtung nutzen. Wenn Sie eine bestimmte Austrittspupille erreichen möchten, gilt:
Objektivdurchmesser in mm = Austrittspupille in mm × Vergrößerung
Ein Rechenbeispiel mit der LBV-Angabe: Soll eine Austrittspupille von mindestens 3,5 mm bei achtfacher Vergrößerung erreicht werden, rechnen Sie 3,5 × 8 = 28 mm. Der LBV nennt daneben als Objektivgröße 40 mm; die 3,5 mm sind eine Untergrenze, keine Zielgröße. Bei zehnfacher Vergrößerung wären es 3,5 × 10 = 35 mm.
Gleiche Austrittspupille, verschiedene Typen
Dieselbe Austrittspupille kann aus verschiedenen Kombinationen entstehen. So haben ein 8x40 und ein 10x50 beide 5,0 mm. Das 10x50 hat die stärkere Vergrößerung und das größere Objektiv, das 8x40 ist kleiner. Die Dämmerungszahlen sind verschieden (17,9 gegen 22,4), obwohl die Fenster gleich groß sind. Das zeigt, warum die Austrittspupille nur eine von mehreren Kennzahlen ist.
Umgekehrt führt dasselbe Objektiv bei unterschiedlicher Vergrößerung zu verschiedenen Werten: Beim Objektiv mit 42 mm sinkt die Austrittspupille von 5,25 mm (8-fach) auf 4,2 mm (10-fach) und auf 3,5 mm (12-fach).
Abweichungen zwischen Rechnung und Datenblatt
Datenblätter nennen die Austrittspupille oft gerundet. Für das 8x42 stehen dort 5,3 mm (zum Beispiel bei Zeiss und Nikon), während die Rechnung 5,25 mm ergibt. Das ist keine Abweichung der Optik, sondern Rundung. Bei den Typen 10x42 (4,2 mm) und 8x56 (7,0 mm) stimmen Rechnung und Datenblatt überein. Wenn eine Angabe stark abweicht, lohnt ein Blick in das Datenblatt des konkreten Modells.
Was die Austrittspupille nicht sagt
Die Austrittspupille beschreibt nur die Geometrie. Sie sagt nichts über Schärfe, Kontrast oder die Transmission. Das Zeiss-Optikbuch spricht von der „unterschiedlichen Bedeutung von Austrittspupille und Transmission auf die Bildhelligkeit“. Bei hochwertigen Ferngläsern spielt die Vergütung eine Rolle; die Wikipedia nennt für sie Transmissionswerte von über 90 Prozent. Zwei Gläser mit gleicher Austrittspupille können also unterschiedlich hell wirken.
Die zweite Kennzahl, die oft in einem Atemzug genannt wird, ist die Dämmerungszahl. Beide lassen sich aus denselben zwei Zahlen berechnen; im Ratgeber Dämmerungszahl berechnen und deuten erklären wir die Rechnung und ihre Grenzen. Ein direkter Vergleich zweier Typen mit gleichem Objektiv steht in 8x42 oder 10x42.
Wer ein Datenblatt vor sich hat, findet die Austrittspupille manchmal schon angegeben. Dann genügt eine Gegenrechnung: Teilen Sie den Objektivdurchmesser durch die Vergrößerung und vergleichen Sie. Stimmt der Wert bis auf die Rundung, ist alles in Ordnung.
Fachwörter wie „Transmission“ oder „Vergütung“ erklärt das Fernglas-Glossar.
So gehen Sie beim Vergleich vor
Wenn Sie mehrere Ferngläser vergleichen, hilft eine feste Reihenfolge:
- Berechnen Sie die Austrittspupille jedes Typs mit der Formel oder dem Rechner.
- Überlegen Sie, wann Sie das Glas nutzen: bei Tageslicht, in der Dämmerung oder beides.
- Prüfen Sie den Gewichtsunterschied. Größere Objektive bringen größere Austrittspupillen, aber auch mehr Gewicht. Als Beispiel nennt das Zeiss-Conquest-Datenblatt (Flyer 01/2014) 630 g für die 32-mm-Ausführung, 795 g für 42 mm und 1.265 g für 56 mm.
- Schauen Sie sich die Austrittspupille am Glas an: rund, scharf berandet, gleichmäßig hell.
- Lesen Sie im Datenblatt, wie das Hersteller-Modell Transmission und Vergütung beschreibt.
So bleibt die Austrittspupille das, was sie ist: eine nützliche Kennzahl neben anderen.
Merkhilfe
- AP = Objektivdurchmesser ÷ Vergrößerung.
- Bei gleichem Objektiv sinkt die AP mit steigender Vergrößerung.
- Die AP ist nur ein Teil der Helligkeitsfrage; Augenpupille und Transmission spielen mit.
- Eine größere AP gibt Spielraum, wenn das Glas unruhig gehalten wird.
- Die Quellen nennen für die Dämmerung unterschiedliche Mindestwerte; wir geben die Spanne wieder.
Häufige Fragen
Wie groß sollte die Austrittspupille sein?
Das hängt vom Einsatz ab. Für Tageslicht reichen laut Zeiss kleinere Werte, weil die Augenpupille klein ist. Für die Dämmerung nennen die Quellen unterschiedliche Untergrenzen: Zeiss 4 mm, der LBV 3,5 mm für die Vogelbeobachtung bei bedecktem Himmel, die Wikipedia sieht etwa 5 mm als geeignet für Dämmerung.
Ist ein Fernglas bei Tag heller, wenn die Austrittspupille größer ist?
Nein, nicht unbedingt. Bei Tageslicht ist die Augenpupille klein und nutzt nur einen Teil des angebotenen Lichts. Laut Zeiss erscheint deshalb ein 8x56 bei Tag nicht heller als ein 8x32. Der Vorteil zeigt sich erst bei weniger Licht.
Spielt die Austrittspupille für Brillenträger eine Rolle?
Die Größe der Austrittspupille hat mit der Brille nichts zu tun. Für Brillenträger zählt der Austrittspupillen-Abstand, also der Abstand hinter der letzten Okularlinse, in dem das Auge sitzen soll. Er liegt laut Wikipedia bei etwa 14 bis 20 mm.
Quellen (alle am 20.10.2026 abgerufen)
- Carl Zeiss Sports Optics: „Optik für Jagd und Naturbeobachtung”, 2. Ausgabe 2017, https://www.zeiss.de/content/dam/pno/landing-pages/germany/waidgefaehrte/mitgliedsbereich/infotainment/waffenkunde-und-optik/downloads/zeiss-waidgefaehrte-downloads-optikbuch.pdf, abgerufen am 20.10.2026
- ZEISS Jagd-Blog: „Das Einblickverhalten bei Ferngläsern” (undatiert), https://blogs.zeiss.com/sports-optics/hunting/de/das-einblickverhalten-bei-fernglaesern/, abgerufen am 20.10.2026
- ZEISS Jagd-Blog (EN): „More things to consider when investing in new glass”, Teil Exit pupil (undatiert), https://blogs.zeiss.com/sports-optics/hunting/en/exit-pupil/, abgerufen am 20.10.2026
- LBV: „Vogelbeobachtung: Ausrüstung, Bestimmungshilfen und Tipps”, https://www.lbv.de/ratgeber/tipps-voegel-bestimmen/tipps-zur-vogelbeobachtung/, abgerufen am 20.10.2026
- Wikipedia (de): „Fernglas”, https://de.wikipedia.org/wiki/Fernglas, abgerufen am 20.10.2026
Redaktionell recherchiert und verglichen, keine physischen Tests. Stand: 20.10.2026. Arbeitsweise und Werbung: Offenlegung.